Schwanger – und jetzt? So läuft die Vorsorge in der Schwangerschaft ab
Ein positiver Schwangerschaftstest – und plötzlich tauchen neben der Freude wahrscheinlich auch hundert neue Fragen auf.
Wann sollte ich zum Frauenarzt? Wann bekomme ich meinen Mutterpass? Welche Blutuntersuchungen werden gemacht? Wann sind die Ultraschalltermine? Was ist der Zuckertest? Und welche Untersuchungen kommen im Laufe der Schwangerschaft noch auf mich zu?
Gerade beim ersten Kind kann die Schwangerschaftsvorsorge zunächst ziemlich unübersichtlich wirken.
Deshalb möchte ich dir hier einen kleinen Fahrplan durch deine Schwangerschaft geben und erklären, welche Untersuchungen wann ungefähr anstehen und wofür sie überhaupt gemacht werden.
Wichtig: Nicht jede Schwangerschaft verläuft gleich. Je nach Vorgeschichte, Beschwerden oder Befunden können zusätzliche oder häufigere Untersuchungen notwendig sein.

Nach einem positiven Schwangerschaftstest vereinbaren viele Frauen zunächst einen Termin in ihrer gynäkologischen Praxis.
Bei den ersten Terminen wird unter anderem geschaut, ob sich die Schwangerschaft zeitgerecht entwickelt. Außerdem wird deine persönliche und medizinische Vorgeschichte besprochen.
Im Verlauf der ersten Vorsorgeuntersuchungen werden verschiedene Werte erhoben und Blutuntersuchungen durchgeführt.
Dazu gehören unter anderem:
Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor
Antikörpersuchtest
Bestimmung des Hämoglobinwertes
Untersuchung auf Chlamydien
Test auf Syphilis
Feststellung des Röteln-Immunschutzes, sofern dieser nicht bereits ausreichend dokumentiert ist
ein HIV-Test wird angeboten
weitere Untersuchungen können je nach persönlicher Situation sinnvoll sein
Und dann bekommst du eines der wohl bekanntesten kleinen Dokumente der Schwangerschaft:
deinen Mutterpass. 🤍
Darin werden von nun an wichtige Untersuchungsergebnisse und der Verlauf deiner Schwangerschaft dokumentiert.
Mein Tipp: Deinen Mutterpass am besten immer dabeihaben egal ob unterwegs ( z.b einkaufen) oder auf Reisen.
Wie oft finden Vorsorgeuntersuchungen statt?
Die Schwangerschaftsvorsorge begleitet dich regelmäßig durch deine gesamte Schwangerschaft.
Dabei geht es nicht darum, bei jedem Termin möglichst viele Untersuchungen durchzuführen. Vielmehr beobachten wir kontinuierlich, wie es dir und deinem Baby geht und ob sich die Schwangerschaft unauffällig entwickelt.
Und genau hier kommt auch die Hebammenbetreuung ins Spiel.
Die drei Ultraschalluntersuchungen
Bei einer unauffälligen Schwangerschaft sind im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien drei Basis-Ultraschalluntersuchungen vorgesehen.
1. Ultraschall: etwa 9.–12. SSW
Hier wird unter anderem beurteilt, ob sich die Schwangerschaft zeitgerecht entwickelt, wie groß der Embryo ist und ob es sich beispielsweise um eine Einlings- oder Mehrlingsschwangerschaft handelt.
Auch der errechnete Geburtstermin kann anhand der Messungen überprüft werden.
2. Ultraschall: etwa 19.–22. SSW
Jetzt ist dein Baby schon deutlich größer.
Beim zweiten Screening wird unter anderem die Entwicklung des Kindes beurteilt. Schwangere können sich im Rahmen der gesetzlichen Vorsorge zwischen einer Basisuntersuchung und einer erweiterten Basis-Ultraschalluntersuchung entscheiden.
3. Ultraschall: etwa 29.–32. SSW
Beim dritten Screening stehen unter anderem das Wachstum und die Entwicklung des Babys sowie seine Lage im Mittelpunkt.
Je nach Befund oder Schwangerschaftsverlauf können natürlich weitere Ultraschalluntersuchungen medizinisch notwendig werden.
Ersttrimester-Screening und NIPT – was ist das?
Gerade am Anfang begegnen vielen Schwangeren Begriffe wie NIPT, Nackenfaltenmessung oder Ersttrimester-Screening.
Diese Untersuchungen gehören nicht einfach automatisch zur normalen Vorsorge.
Beim NIPT wird mütterliches Blut untersucht, um die Wahrscheinlichkeit bestimmter Chromosomenstörungen beim ungeborenen Kind zu beurteilen. Wichtig zu wissen: Der NIPT ist keine diagnostische Untersuchung, sondern ein Screeningtest.
In der gesetzlichen Krankenversicherung wird der NIPT auf die Trisomien 13, 18 und 21 nicht als allgemeines Routine-Screening für jede Schwangere übernommen, sondern kann in bestimmten Situationen nach ärztlicher Beratung Kassenleistung sein.
Ob und welche pränataldiagnostischen Untersuchungen du möchtest, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Du solltest vorher gut darüber informiert werden, was ein Ergebnis bedeuten kann – und was nicht.
24.–28. SSW: Der Zuckertest – oGTT
Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wird auf Schwangerschaftsdiabetes untersucht.
Vielleicht kennst du ihn einfach als „Zuckertest“.
Bei gesetzlich Versicherten ist zunächst ein 50-g-Glukose-Suchtest vorgesehen. Dafür musst du nicht nüchtern sein. Eine Stunde nach dem Trinken der Glukoselösung wird der Blutzucker bestimmt.
Ist dieser Test auffällig, folgt der eigentliche diagnostische 75-g-orale Glukosetoleranztest – kurz oGTT.
Für diesen Test musst du nüchtern sein. Der Blutzucker wird zunächst nüchtern und anschließend nach dem Trinken der Glukoselösung nach einer und nach zwei Stunden bestimmt.
Damit soll ein Gestationsdiabetes erkannt werden.
Das ist wichtig, denn ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht häufig keine Beschwerden und würde ohne Untersuchung möglicherweise unentdeckt bleiben.
Rhesusfaktor und Anti-D-Prophylaxe
Zu Beginn der Schwangerschaft wird dein Rhesusfaktor bestimmt.
Bei rhesusnegativen Schwangeren wird heute zusätzlich untersucht, welchen Rhesusfaktor das ungeborene Kind wahrscheinlich hat. Ist das Kind rhesuspositiv beziehungsweise ist eine Anti-D-Prophylaxe erforderlich, wird diese entsprechend der Vorsorgeempfehlungen durchgeführt.
Damit soll verhindert werden, dass dein Immunsystem Antikörper gegen rhesuspositive rote Blutkörperchen bildet.
Auch nach der Geburt wird die Situation erneut beurteilt.
Keuchhusten-Impfung in der Schwangerschaft
Eine weitere wichtige Empfehlung betrifft die Pertussis-Impfung, also die Impfung gegen Keuchhusten.
Die STIKO empfiehlt sie in jeder Schwangerschaft, unabhängig davon, wann zuletzt gegen Pertussis geimpft wurde.
Sie wird in der Regel zu Beginn des 3. Trimenons empfohlen. Besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt, soll sie bereits im 2. Trimenon erfolgen.
Der Hintergrund ist besonders schön: Die Mutter bildet Antikörper, die über die Plazenta an das Baby weitergegeben werden können und ihm in den ersten Lebenswochen einen gewissen Schutz bieten.
Was ist mit CTG?
Viele verbinden Schwangerschaftsvorsorge automatisch mit einem CTG.
Tatsächlich gehört ein CTG bei einer unkomplizierten Schwangerschaft nicht automatisch bei jedem Termin zur Routinevorsorge.
Es wird insbesondere dann eingesetzt, wenn eine entsprechende medizinische Indikation besteht beispielsweise bei bestimmten Auffälligkeiten oder Beschwerden.
Gegen Ende der Schwangerschaft kann es deshalb durchaus häufiger Thema werden, je nachdem, wie deine Schwangerschaft verläuft.
B-Streptokokken – der Abstrich vor der Geburt
Gegen Ende der Schwangerschaft wirst du möglicherweise auch vom sogenannten GBS-Abstrich oder „Streptokokken-Abstrich“ hören.
Dabei wird untersucht, ob eine Besiedlung mit Streptokokken der Gruppe B vorliegt.
Eine solche Besiedlung ist für die Mutter meistens völlig unproblematisch. Während der Geburt können die Bakterien jedoch auf das Baby übertragen werden und in seltenen Fällen schwere Infektionen verursachen.
Der Test gehört in Deutschland bei einer unkomplizierten Schwangerschaft nicht grundsätzlich zu den Leistungen der gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge und wird deshalb häufig als Selbstzahlerleistung angeboten. Bei bestimmten Risikokonstellationen gelten andere Vorgehensweisen.
Ist GBS nachgewiesen, wird in der Regel unter der Geburt eine antibiotische Prophylaxe empfohlen.
Und welche Rolle spielt meine Hebamme während der Schwangerschaft?
Hebammen sind nicht erst nach der Geburt für dich da. Eine Hebamme ist nach Mutterschaftsleitlinie berechtig eigenständig eine komplette Schwangerschaftsvorsorge selbständig durchzuführen. ( Bis auf die Ultraschalluntersuchungen).
Du kannst bereits während der Schwangerschaft Hebammenhilfe in Anspruch nehmen. Neben Vorsorgeuntersuchungen gehört dazu vor allem die Beratung und Begleitung durch diese besonderen Monate.
Übelkeit, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Schlafprobleme, Ängste vor der Geburt, Stillen, Geburtsvorbereitung oder einfach die Frage „Ist das eigentlich normal?“ – all das darf bei deiner Hebamme Platz haben.
Und gerade deshalb finde ich die Kombination so schön:
Medizinische Vorsorge, Zeit für Fragen und eine kontinuierliche Begleitung können Hand in Hand gehen.
Und wenn etwas auffällig ist?
Vorsorge bedeutet nicht nur, Untersuchungen nach einem festen Zeitplan abzuhaken.
Sie soll vor allem Veränderungen erkennen, bei denen genauer hingeschaut werden muss.
Bei Blutungen, starken Schmerzen, Fruchtwasserabgang, deutlich verminderten Kindsbewegungen oder anderen akuten Beschwerden solltest du deshalb nicht auf den nächsten regulären Vorsorgetermin warten, sondern dich zeitnah an deine gynäkologische Praxis, deine Hebamme beziehungsweise je nach Situation und Schwangerschaftswoche – an eine geburtshilfliche Klinik wenden.
Muss ich mich zwischen Hebamme und Frauenarzt entscheiden?
Nein.
Die Betreuung kann sich wunderbar ergänzen.
Du kannst beispielsweise bestimmte Vorsorgetermine bei deiner Hebamme wahrnehmen und andere Termine in deiner gynäkologischen Praxis.
Die ärztlichen Ultraschalluntersuchungen gehören weiterhin in die gynäkologische Betreuung. Nach den Mutterschafts-Richtlinien gehören bei einer unauffälligen Schwangerschaft grundsätzlich drei Basis-Ultraschalluntersuchungen zur regulären Schwangerschaftsvorsorge.
So kann eine Betreuung entstehen, bei der medizinische Vorsorge und persönliche Hebammenbegleitung Hand in Hand gehen.
Wie genau du deine Termine aufteilen möchtest, darf individuell zu dir und deiner Schwangerschaft passen.
Schwangerschaftsvorsorge bedeutet für mich mehr als Untersuchungen
Als Hebamme begleite ich Frauen nicht nur anhand ihrer Werte.
Mir ist wichtig, dass du verstehst, was gerade in deinem Körper passiert, und dich mit deinen Fragen ernst genommen fühlst.
Manchmal braucht es dafür eine Untersuchung.
Manchmal braucht es eine Erklärung.
Und manchmal braucht es einfach jemanden, der zuhört und sagt: Erzähl mir erst einmal, was dich beschäftigt.
Denn in diesen Monaten verändert sich unglaublich viel körperlich und emotional.
Und du musst mit deinen Fragen nicht alleine bleiben.



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