top of page

Die ersten Schwangerschaftsbeschwerden - Was ist normal?

lydiaspengler
6. Aug.
4 Min. Lesezeit



Vielleicht hältst du den positiven Schwangerschaftstest noch ganz vorsichtig in den Händen und fragst dich schon jetzt: Ist das eigentlich alles normal?



schwangere frau  sitzt auf dem Bett und beugt sich stark nach vorn; im hellen Schlafzimmer stehen Pflanze, Wasser und Bücher.
Schwangerschaftsbeschwerden können am Anfang sehr verwirrend sein



Die ersten Wochen einer Schwangerschaft sind aufregend, wunderschön und manchmal auch ganz schön verunsichernd. Der Körper beginnt innerhalb kürzester Zeit Erstaunliches zu leisten. Hormone stellen sich um, dein Kreislauf arbeitet anders und dein Baby entwickelt sich Tag für Tag weiter. Viele Veränderungen fühlen sich deshalb zunächst ungewohnt an.


Als Hebamme mit über 12 Jahren Erfahrung im Kreißsaal weiß ich, wie viele Fragen gerade am Anfang entstehen. Deshalb möchte ich dir einen kleinen Überblick geben, welche Schwangerschaftsbeschwerden häufig völlig normal sind und bei welchen Anzeichen du lieber ärztlichen Rat oder deine Hebamme kontaktieren solltest.



Unterleibsziehen


Viele Frauen erschrecken, weil sich das Ziehen fast wie Regelschmerzen anfühlt.

Tatsächlich ist ein leichtes Ziehen im Unterbauch in der Frühschwangerschaft sehr häufig. Die Gebärmutter beginnt zu wachsen, Bänder dehnen sich und die Durchblutung nimmt deutlich zu.

Solange die Schmerzen leicht bis mäßig sind und keine stärkeren Blutungen auftreten, besteht meist kein Grund zur Sorge.


Müdigkeit


Plötzlich könnte man überall einschlafen...Auf dem Sofa, im Auto (natürlich nur als Beifahrerin) oder schon nach dem Mittagessen.

Auch das ist völlig normal.


Vor allem das Hormon Progesteron sorgt dafür, dass viele Frauen in den ersten Wochen unglaublich müde sind. Dein Körper arbeitet rund um die Uhr daran, dein Baby zu versorgen. Er fordert sich deshalb auch die Pausen, die er braucht.


Mein Rat: Höre auf deinen Körper. Schlaf ist gerade jetzt keine Schwäche, sondern wichtige Energie für euch beide.


Übelkeit


Nicht jede Schwangere hat Übelkeit – und sie muss auch nicht morgens auftreten.

Manche Frauen kämpfen den ganzen Tag damit, andere nur am Abend oder überhaupt nicht. Alles kann normal sein.

Oft helfen:

  • kleine, regelmäßige Mahlzeiten

  • ausreichend trinken

  • trockene Lebensmittel wie Zwieback oder Salzstangen oder Cola

  • Ingwer (wenn du ihn gut verträgst)

  • genügend Ruhe

Wenn du allerdings kaum noch essen oder trinken kannst oder dich sehr häufig übergeben musst, solltest du ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Bei Bedarf und nach Abklärung kann man auch Medikamente wie Vomex oder Cariban einnehmen ( Verschreibungspflichtig).


Brustspannen


Viele Frauen bemerken bereits sehr früh, dass ihre Brüste empfindlicher werden oder spannen.

Das liegt daran, dass sich dein Körper schon jetzt auf das Stillen vorbereitet. Auch die Brustwarzen können empfindlicher werden oder sich dunkler färben.

Am besten auf bügellose oder Sport-BHs in der Zeit übergehen.


Kreislaufprobleme


Schwindel oder ein flaues Gefühl gehören ebenfalls zu den typischen Beschwerden der ersten Wochen.

Der Blutdruck sinkt bei vielen Schwangeren etwas ab und die Blutgefäße erweitern sich.


Da hilft häufig:

  • langsam aufstehen

  • ausreichend trinken

  • kleine Mahlzeiten

  • längeres Stehen vermeiden

  • Akupressur Bänder für die Handgelenke ( gibt´s bei großen A :D )

  • Pausen nehmen und runterfahren



Häufiger Harndrang


Obwohl dein Bauch noch kaum sichtbar ist, musst du vielleicht ständig zur Toilette.

Auch das ist normal.

Die hormonellen Veränderungen und die stärkere Durchblutung sorgen dafür, dass deine Nieren mehr arbeiten.


Blähungen und Verstopfung


Progesteron entspannt nicht nur die Gebärmutter, sondern leider auch den Darm.

Dadurch arbeiten viele Därme etwas langsamer.

Viel trinken, Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung können hier oft gut helfen.

Wenn du dich gut fühlst, hilft auch Sport und Bewegung.


Stimmungsschwankungen


Mal bist du überglücklich, fünf Minuten später fließen plötzlich Tränen.

Auch das kennen viele Schwangere.

Neben den Hormonen spielen natürlich auch die vielen Gedanken eine große Rolle. Eine Schwangerschaft verändert das Leben – und es ist völlig in Ordnung, wenn dabei auch Unsicherheiten entstehen.

Gönne dir einen Netflix-Abend mit viel Schokolade :D


Leichte Schmierblutungen


Kleine Schmierblutungen können vorkommen und müssen nicht zwangsläufig etwas Schlimmes bedeuten.

Trotzdem gilt: Blutungen in der Schwangerschaft sollten immer ärztlich abgeklärt werden, damit die Ursache sicher eingeordnet werden kann.

Am besten du rufst primär bei deinem Gynäkologen an.


Nachts oder an Feiertagen darfst du in der Gynäkologischen Ambulanz deiner Klinik anrufen und nach Rat Fragen. Oft können die Mitarbeiter am Telefon erste Sorgen nehmen und abwägen ob ein Gang in die Notaufnahme sinnvoll ist.


Wann solltest du ärztliche Hilfe suchen?


Bitte zögere nicht, dich bei deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme zu melden, wenn

  • starke oder zunehmende Schmerzen auftreten,

  • frische, stärkere Blutungen einsetzen,

  • du Fieber bekommst,

  • du kaum noch trinken oder essen kannst,

  • oder du einfach das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt.

Niemand kennt deinen Körper so gut wie du selbst. Wenn dir etwas Sorgen macht, darfst du das ernst nehmen.


Mein persönlicher Rat als Hebamme


Gerade in den ersten Wochen prasseln unzählige Informationen auf dich ein. Im Internet findest du oft die unterschiedlichsten Antworten – und nicht alles davon hilft wirklich weiter.

Versuche deshalb, auf seriöse Quellen zu achten und vor allem auf dein eigenes Bauchgefühl zu hören. Jede Schwangerschaft ist einzigartig. Vergleiche dich nicht mit anderen und lass dich nicht verunsichern, wenn deine Freundin ganz andere Beschwerden hatte als du. Selbst deine letzte Schwangerschaft kann sie auch komplett anders angefühlt haben und das ist ok.


Du musst nicht alles perfekt machen. Dein Körper weiß erstaunlich gut, was er tut.

Ich wünsche dir von Herzen eine schöne Schwangerschaft und hoffe, dass dieser Beitrag dir ein wenig Sicherheit geben konnte. Und falls du Fragen hast: Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

 
 
 

Kommentare


bottom of page